Zazen, wörtlich za «Sitzen», zen «Versunkenheit«; meditative Praxis, wie das Zen sie als den direktesten Weg zur Erleuchtung lehrt. Zazen ist allerdings keine Meditation im herkömmlichen Sinn, denn diese schliesst, zumindest anfangs, ein Fixieren des Geistes auf ein »Meditationsobjekt« (z. B. ein Mandala oder die bildhafte Vorstellung eines Bodhisattva) oder das Nachsinnen über abstrakte Eigenschaften (z. B. »Vergänglichkeit« oder »lieben-des Mitgefühl«) ein. Zazen jedoch soll den Geist aus der Knechtschaft jeglicher Gedankenformen, Visionen, Dinge oder Vorstellungen befreien - wie erhaben und heilig diese immer sein mögen. Auch solche Hilfsmittel der Zazen-Übung wie das Koan sind keine Meditationsobjekte im üblichen Sinn; das Wesen des Koan ist das Paradoxon, also das, was - wie die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes sagt - »jenseits des Denkens« oder »jenseits des Vorstellbaren« ist. In seiner reinsten Form ist Zazen das Verweilen in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die jedoch auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet. Mit Beharrlichkeit und Hingabe über einen längeren Zeitraum geübt, versetzt Zazen den Geist des »Sitzenden« in einen Zustand vollkommener inhaltloser Wachheit, aus dem heraus er in einem plötzlichen Durchbruch zur Erleuchtung seines eigenen Wahren-Wesens oder Buddha-Wesens, das mit dem Wesen des gesamten Weltalls identisch ist, gelangen kann.